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Laut des renommierten Finanziers George Soros befinde sich Europas Wirtschaft in einer Spirale des Untergangs. Randstaaten wie Griechenland und Ungarn seien auf dem Weg sich in arme Staaten zu verwandeln. Die durch sie aufgenommenen Schulden könnten die betroffenen Länder weder finanzieren noch bezahlen. Die schwächsten EU-Mitglieder würden zu Staaten der Dritten Welt avancieren, die ihr geliehenes Kapital zu allem Überfluss vornehmlich in Fremdwährungen aufgenommen hätten. Er sei sich nicht sicher, ob die Brüsseler Behörden die Krise in der Region vorsätzlich verlängerten, oder ob unterschiedliche politische Ansichten für die aktuelle Lage verantwortlich zeichneten.

Haudrauf-Methoden würden ein politisches System in den USA installieren, das mit der Gründertradition des Landes nichts mehr zu tun habe

Wie Soros in einem Interview gegenüber cnbc.com erklärte, gäbe es noch Hoffnung auf eine Rettung der Eurozone. Um dies zu erreichen, müsse eine Politik durchgesetzt werden, die neben den bereits beschlossenen Sparmaßnahmen auch Reformen zur Ankurbelung des ökonomischen Wachstums propagiere. Darüber hinaus sollte der Kontinent endlich in Betracht ziehen, einen so genannten Eurobond zu emittieren, was dabei helfen würde, finanziell Not leidende Länder zu finanzieren. Dieser Schritt wird jedoch durch eine Reihe von Politikern aus den wohlhabenden Zahlerländern abgelehnt.

Bislang haben sich die europäischen Nationen auf eine bessere finanzielle Koordination geeinigt, obwohl Griechenland und anderen Peripheriestaaten der Eurozone harte Sparmaßnahmen, teils immense Steuererhöhungen und Entlassungen im öffentlichen Dienst im Austausch für den Erhalt von Bailout-Geldern auferlegt wurden. Neben den beschlossenen Sparkürzungen werde jedoch vor allem auch Wachstum benötigt, wie Soros anfügte. Dieses Wachstum sollte aus der Verabschiedung von Konjunkturmaßnahmen wie einer Emission von Eurobonds herrühren, wodurch wohlhabende Länder wie Deutschland in die Pflicht genommen würden, eine wirtschaftliche Erholung in den Randstaaten zu finanzieren.

Soros hatte in jüngster Zeit auch düstere Warnungen für die Vereinigten Staaten veröffentlicht und wies darauf hin, dass die so genannten „Occupy Wall Street“ Proteste schon bald in Gewalt umschlagen könnten, falls sich die Lage der US-Wirtschaft noch verschlimmern sollte. Darauf bestehe zum jetzigen Zeitpunkt durchaus eine reelle Chance. Dem Staat böte sich auf diese Weise eine gute Entschuldigung, um hart durchzugreifen und Haudrauf-Methoden zu nutzen, um Recht und Ordnung wieder herzustellen.

Im Extremfall könne daraus ein unterdrückerisches Politsystem erwachsen, eine Gesellschaftsform, in dem die individuelle Freiheit des Einzelnen deutlich eingeschränkt würde, was einen Bruch mit der amerikanischen Tradition bedeuten würde, wie Soros in einem vorherigen Interview gegenüber Newsweek mitteilte. Zunehmende soziale Unruhen in den Vereinigten Staaten seien nur eines vieler Symptome einer sich verschlechternden Weltwirtschaft, was den Erhalt des errungenen Wohlstands wichtiger mache als das Streben nach Reichtum. In Zeiten wie den heutigen stünde das Überleben an erster Stelle, so Soros.

Er wolle sich weder als heilsbringender Messias betätigen noch den Versuch unternehmen, irgendjemanden aufzumuntern. Die aktuelle Lage sei derart ernst und schwierig, wie er es in seiner eigenen Karriere bis dato noch nicht erlebt habe, wie Soros anfügte. Die Welt stehe vor extrem schwierigen Zeiten, in vielen Punkten vergleichbar mit der Großen Depression in den 1930iger Jahren. Beobachter blickten nun auf eine allgemeine Senkung des Wohlstands in der industrialisierten Welt, wodurch der Weltwirtschaft ein Jahrzehnt der Stagnation oder gar Schlimmeres drohe. Das Beste aller Szenarien wäre ein deflationäres Umfeld, in dem der globale Schuldenabbau weiterhin geordnet vonstatten ginge. Das schlimmste aller Szenarien wäre ein kompletter Zusammenbruch des Weltfinanzsystems, so Soros.